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Die Kramsacher Glashütte, links der Glasofen, in der Bildmitte das Geigerhaus (Gasthaus »Glashaus«). Oben rechts ist das Hilaribergl zu sehen. Im Vordergrund lagert Holz für den Glasofen, rechts ein Pferdegespann.

Datum:
ca. 1880
Fotograf:
Unbekannt
Quelle:
Geiger, Michael Dr.
Tags:
Glashütte, Hilaribergl

Die Kramsacher Glashütte wird errichtet
1626

1. Die Ära Schreyer: 1626–1840

»Die Geschichte der Tiroler Glashütte zu Kramsach ist untrennbar mit dem Namen Schreyer verbunden, dem Namen jener Familie, welche das Werk begründete und 214 Jahre in ununterbrochenem Besitz hatte.« (Werner Köfler, in: Das Buch von Kramsach, S. 397 ff.)

1626: Gilg Schreyer wird die Errichtung eines Glasofens bewilligt
»In den Rattenberger Gerichtsakten findet sich eine Regierungsresolution vom 19. Nov. 1626 an das Landgericht Rattenberg (›dem ersamen weisen Hannß Jacoben Schalber, Statt- und Landrichter zu Rattemberg‹), derzufolge dem Gilg Schreyer die Errichtung eines Glasofens bewilligt wird. (…)«
Ursprünglich stand die Glashütte laut Köfler bei der Fachentaler Brücke (Duftner Brücke). »Die Produktion wurde rasch aufgenommen; die Glasfabrikation konnte sich bald eines großen Absatzes erfreuen« (…)

1641: Sein Sohn Georg Schreyer übernimmt die Glashütte.

1646: »Auf Ansuchen des neuen Besitzers wurde die Glashütte 1646 mit Bewilligung des Klosters Mariatal, der Grundherrschaft, [vom Fachental] auf den endgültigen Platz ober der Lände transferiert und dortselbst auch ein Haus erbaut«.

1650: Die Gründer des Achenrainer Messingwerks, Karl Aschauer und Andrä Pranger, traten an Georg Schreyer heran »und boten ihm das Amt eines Brenn- und Schmelzmeisters an – damit »war die Generationen dauernde Verbindung der Fam. Schreyer mit dem Messingwerk begründet.«

1666: Georg Schreyer wird ein Wappen verliehen
»Das Messingwerk gelangte bald zu großer Blüte, und es waren insbesonders die Verdienste an diesem Aufschwung, für die der Messingbrennmeister (…) eine ehrenvolle Anerkennung in der Wappenverleihung vom 28. 2. 1666 erfuhr. Das Wappen zeigt eine langhalsige Kugelflasche in Silber, beide Seitenfelder rot, Helmzier schwarzgold, silber-roter Bausch, mit silbernem Brennhafen (Kessel) zwischen mit 3 roten Flammen besteckten Büffelhörnern, rechts silber über gold, links schwarz über rot. Dieses Wappen führten die Glasherren auch künftighin im Siegel.

1688: Georg Schreyer verkauft und übergibt die Glashütte seinem Sohn Hanns Schreyer.

1701: Michael Schreyer übernimmt die Glashütte von seinem Vater Hanns.

1727: Dessen Sohn Anton Schreyer übernimmt den Betrieb.

1738: Johann Michael Schreyer, der Bruder Antons, folgt nach dessen frühem Tod.
Der Betrieb wächst ständig, Johann Michael erweitert ihn um ein Bleischmelzwerk und eine Ausschank. »Diese sogenannte ›Sommer­aus­schenk‹ oder ›Sommerkeller‹ diente zur überbrückung der heißen Sommermonate, in denen die Öfen für die Glasproduktion nicht betrieben wurden.« (Pichler, S. 11)

1757: Beim Tod Johann Michaels sind dessen sechs Kinder noch minderjährig und so führt dessen Witwe Maria Anna Schuellerin den Betrieb mit »bewundernswürdiger Tüchtigkeit weiter, ja es gelang ihr, den Schreyer’schen Besitz um zahlreiche Liegenschaften zu vermehren.« (Köfler, S. 401)

1790: Maria Anna Schuellerin vermacht ihrem jüngsten Sohn Anton Schreyer die Glashütte, der den Betrieb sehr erfolgreich weiterführte (Köfler, S. 402)

1810: Die Glasfabrik geht an dessen Sohn Anton Franz Schreyer über.
Dessen Onkel, Franz Schreyer, führte die von Maria Anna Schuellerin geerbte Landwirtschaft noch bis 1812 weiter. »Er hatte übrigens 1788 das Maria-Hilf-Kirchl auf dem Hilariberg von der Religions-Fonds-Administration erkauft. Seinen gesamten Besitz übergab er am 23. Nov. 1812 seinem Neffen zu einem Übergabspreis von 6500 fl. (mit Ausgeding), damit war wieder der gesamte Schreyer’sche Besitz vereinigt.« (Köfler)

1829: Anton Franz Schreyer wählt den Freitod: »Am 19. Juni 1829 abends fand man den Glasfabrikanten erhängt auf« (Köfler). Er hinterlässt sieben minderjährige Kinder und seine Witwe Maria Hassauer, die den Betrieb weiterführt.

1836: Der älteste Sohn Anton wird volljährig und übernimmt den Betrieb.

1840: Am 31. August 1840 wird die Glasfabrik »dem Kelchsauer Glasfabrikanten Franz Friedrich um 17.500 fl. W. W. bei einem Schuldenstand von 13.061 fl. verkauft« (Köfler, S. 405)

2. Die Glashütte von 1840 bis 1914

»Der neue Besitzer der Kramsacher Glashütte Franz Friedrich stammte aus einer böhmischen Glasmacherfamilie. Sein Vater Wenzl Friedrich war Inhaber der Glashütte in Hörbrunn in der Kelchsau, welche unter der Leitung seines Sohnes Franz von 1840–1872 ihren Höhepunkt erreichte.« (Pichler, S. 13)

1842: »Wenzl Friedrich übernahm von 1842 bis 1846 die Leitung der Glas­produktions­stätte in Kramsach«, die Glashütte beschäftigte 24 Arbeiter (Pichler)

»Eine Erweiterung der Produktion in Kramsach konnte leider nicht erreicht werden: Einerseits mangelte es an Aufträgen, andererseits wurde die Holzbeschaffung ein immer größeres Problem. Köfler erwähnt einen Bericht der Handels- und Gewerbe­kammer in Innsbruck für die Jahre 1854 bis 1856. Dort wird berichtet, dass der akute Holzmangel den Unternehmer seit 1854 nötigte, den Glasofen bis zu acht Monate im Jahr nicht zu befeuern.« (Pichler, ebd.)

1864: »verkaufte der Nachfolger von Wenzl Friedrich, der gleichnamige Sohn, die Glasfabrik an den Grafen Johann von Taxis-Valnigra. (Pichler)
Der Graf ordnet wegen seiner Unerfahrenheit in diesem Gewerbe eine überprüfung der Geschäftsunterlagen durch den Bankbeamten August Geiger aus Bayern an und »beredete nun Geiger, seine Stellung aufzugeben und die Glashütte von ihm zu einem sehr mäßigen Preis zu erwerben, wozu sich Geiger auch entschloß« (Schwärzler nach Pichler, ebd.)

1867: Der Münchner Bankkaufmann August Geiger erwirbt die Glashütte um 29.000 Gulden (Pichler)

»Zehn Jahre blieb die Glashütte im Besitz des Bankkaufmanns aus München. Geiger verstand es nicht nur, das Unternehmen durch einige Grundstücke und Gebäude wirt­schaftlich zu vergrößern, sondern verhalf auch der Glasfabrikation zu neuem, über die Grenzen Tirols hinausgehendem Ansehen. Tageszeitungen jener Zeit erwähnen technische Neuerungen und Forschungsarbeiten in der Glasverarbeitung, deren Aus­gangs­punkt bzw. fachliche Kompetenz in der Glashütte von Kramsach lag. Einige Erzeug­nisse aus Kramsach sollen beispielsweise sogar bei der Weltausstellung 1873 mit einem Diplom ausgezeichnet worden sein.« (Pichler, S. 14)

1877: Für 26.000 Gulden erwarb August Kalus aus München die Fabrik samt Inventar und den Lagerschuppen – nicht aber die Liegenschaften und Gebäude, die noch heute zum Großteil im Besitz der Familie Geiger sind. Er führte die Hütte zu »einem besonders künstlerischen Hochstand« (Pichler)

»In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Kramsacher Erzeugnisse bereits in alle Welt exportiert, neben Tirol, Salzburg, Ober- und Niederösterreich und Ungarn nach Deutschland, Frankreich, Belgien, Holland, England, Türkei, Nordamerika und Australien.« (Köfler, S. 419). Die Zahl der Beschäftigten stieg auf über 50.

1898: »Trotz guter Geschäfte mit dem Ausland musste August Kalus 1898 den Konkurs anmelden« (…) »Der Spenglermeister Josef Höflinger aus Kufstein ersteigerte die Fabrik und verkaufte sie mit großem Gewinn an den Kramsacher Peter Höflinger. Nur zwei Jahre dauerte die Schaffenszeit des neuen Inhabers, ehe die Glas­pro­duk­tions­stätte wieder in Konkurs ging.« (Pichler)

1900: Der Kramsacher Kaufmann Anton Hueber (auch Bürgermeister/Gemeindevorsteher von Kramsach, 1903–1911), erwarb die Glasfabrik, 1907/08 konnte der seit Jahrzehnten geplante zweite Glasofen errichtet werden.

1912: »Am 8. Mai 1912 verursachte ein Hochwasser große Schäden in den Hallen der Glasproduktion und im Magazin, wo mehrere Tonnen Hohlglas für den Export nach Italien bereit standen.« (Pichler)

1914: »Im Jahre 1914 vernichtete ein Brand das gesamte Lager- und Versandhaus.« (Pichler) und läutete das vorläufige Ende der Glashütte ein:

»Die Innsbrucker Nachrichten berichteten am 17. Juni 1914 über das Ende der Glashütte: ›Zu all diesen Übeln kamen zum Schlusse noch die elementaren Schäden durch den Brand, welcher das Lager- und Vorratshaus samt den sehr bedeutenden Vorräten an Waren sowie auch an Rohmaterialien vernichtete, und die Überschwemmung, die das ganze Schmelzhaus sowie den Glasofen beschädigte. Es besteht derzeit nicht mehr die Absicht, die Glashütte neuerdings in Stand zu setzen.‹« (zit. n. Pichler)

3. Die letzten Jahre 1919–1933

1919: »Nach Ende des Ersten Weltkrieges übernehmen zwei ehemalige österreichische Offiziere aus dem Sudetenland Dr. Karl Zwieauer und Heinrich Groll die stark be­schä­dig­te Anlage. Zwei Schmelzöfen sind in Betrieb, rund 100 Arbeiter sind beschäftigt.

1924: Das Unternehmen wird in »Tiroler Glashütte H. Groll u. Co.« umgewandelt und »erlebte noch einmal, nicht zuletzt durch die aus Nordböhmen geholten Fachkräfte, eine hohe, künstlerische Blüte. Die Exporte gingen nach Deutschland, England, Schweiz und USA. In Essen, Berlin, Zürich, Wien und London wurden Musterlager eingerichtet. Künstler wie der Bozner Maler Karl Pferschy, die Wienerinnen Lazar-Löff, Frau Groll, Ena Rottenburg und die Münchnerin Wenz Viètor schufen die Entwürfe.« (Köfler, S. 424)

1927: »Freiherr Markus Freyberg-Schütz, der Besitzer der Riedelhütte im Bayrischen Wald« (Köfler) pachtete die Glashütte

»Die wirtschaftlichen Verhältnisse, insbesondere die Beziehungen zwischen Deutschland und Österreich im Geld- und Warenverkehr, gestalteten sich aber 1930 derart, daß der Export der Glashütte nach Deutschland beinahe aufhörte. Vor Weihnachten 1931 stellte die Glashütte ihre Produktion ein, nahm sie aber im Jänner 1932 wieder auf« (Köfler)

1933: Nach über 300-jährigem Bestehen schließt die Kramsacher Glashütte endgültig ihre Tore


Oberhauser, Andreas
Pichler, Evelyn: »Die Glashütte Kramsach 1626–1933«, in: Katalog zur Ausstellung im Augustinermuseum Rattenberg, 2004; Köfler, Werner, in: Das Buch von Kramsach, 1972;