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Der Backenzahn eines Mammuts mit der Krone im Vordergrund. Deutlich zu sehen sind die Lamellen (Schmelzfalten) auf der Kau­fläche. Auf jeder Kieferseite besaß das Mammut nur jeweils ein bis zwei Backenzähne oben und unten. (Fundort: siehe Geodaten)

Datum:
07.01.2011
Fotograf:
Oberhauser, Andreas
Quelle:
Meier, Toni
Tags:

Ein Mammut in Kramsach
ca. -10000

Der 11-jährige Kramsacher Bub Toni Meier wird im Jahr 1936 von seinem Vater zur Brandenberger Ache (beim »Innspitz«) geschickt, um Steine zu holen. Dort findet er im Sand einen merkwürdigen Brocken: den Backenzahn eines Mammuts!

Der junge Bub konnte dies natürlich nicht erkennen, sondern zeigte das bemerkenswerte Fundstück zunächst seinem Vater, dieser seinem Arzt, und schlussendlich landete der Zahn über den Umweg der Universität Innsbruck im Naturhistorischen Museum in Wien, wo er untersucht wurde.

Nach einem Jahr kam mit einem Schreiben des Museums die Gewissheit: Es handelt sich um den rechten Backenzahn eines Mammuts.

»Es kam der Krieg und der Fund geriet in Vergessenheit. Nach Jahren aber fand ich beim Stöbern auf dem Dachboden meines Elternhauses den Zahn wieder. Das Schreiben des Naturhistorischen Museums war allerdings leider verloren gegangen. Darin war zu lesen, dass man einen rechten Backenzahn aus dem Brandenbergtal bereits habe«, erzählt Toni Meier.

Das Alter des Zahns

Bis dato wurden in Tirol mehrere Mammutrelikte gefunden (z. B. in der Höttinger Au, in der Tongrube Fritzens, in Kufstein und in der Isel/Virgental, Osttirol), was eigentlich überrascht. Denn Mammuts waren zwar »Tiere der Eiszeit« – aber als pflanzenfressende Elefanten konnten sie nur dort leben und überleben, wo es genügend Nahrung für sie gab. Und wann war das? Wann könnte Toni Meiers Mammut in der Gegend von Kramsach (Brandenberg?) gegrast haben?
Die letzte Eiszeit mit ihrem Vereisungsmaximum um 20.000 v. Chr. endete in Tirol vermutlich um 10.000 v. Chr. Vorher lag das Inntal (und daher auch Kramsach) unter den zum Teil hunderte Meter dicken Eisschichten des Inntalgletschers, der nach seinem Abschmelzen (wie man annimmt in nur 2.000 Jahren), große Endmoränen (prominentes Beispiel ist der Irschenberg) hinterließ.

Und »vielleicht lagen im tiefer gelegenen Haupttal noch Reste der Gletscherzunge«, als das Gebiet um die Reintaler Seen schon eisfrei war und sich die »Pflanzengesellschaft einer Kaltsteppe« ausbildete (S. Bortenschlager).

Diese baumlose eiszeitliche Kältesteppe war der Lebensraum des Mammuts: Zu dieser Zeit (um 10.000 v. Chr.) könnte also dieses Mammut hier Nahrung gefunden haben. Diese Zeitschätzung geht sich aber nur knapp aus, denn um 9.000 v. Chr. sind die Mammuts bereits aus ganz Europa verschwunden (um 2.000 v. Chr. stirbt die Art auf den nordsibirischen Wrangel-Inseln endgültig aus). Es überrascht daher, dass Mammuts in diesem kurzen Zeitraum in den Alpenraum bis nach Osttirol eingedrungen sein sollen.
Es ist bis jetzt leider nicht gelungen in Erfahrung zu bringen, ob an einem der in Tirol gefundenen Mammutrelikte eine C14-Altersbestimmung (Radiokohlenstoffdatierung) vorgenommen wurde, dann gäbe es in dieser Frage mehr Klarheit. Toni Meiers Fundstück jedenfalls wurde damals mit dieser Methode mit Sicherheit nicht datiert, weil diese erst in den 1950er Jahren erfunden worden ist.

Quellen:
Spektrum der Wissenschaft Spezial: »Mensch, Mammut, Eiszeit«, 2006;
Josef H. Reichholf: »Das Rätsel der Menschwerdung«, 2004;
Sigmar Bortenschlager: »Die Vegetationsentwicklung um Kramsach seit der letzten Eiszeit«, in: H. Bachmann, »Das Buch von Kramsach«, 1972


Oberhauser, Andreas
Meier, Toni
Gemeindezeitung 2011-03